Mimik und Gestik der Griechen

Kreter und andere Griechen reden mitnichten nur mit dem Mund. In der Regel begleiten Sie jeden Satz mit Hand- oder sonstigen Körperbewegungen. Auch Ausländer, die schon länger im Land leben, gewöhnen sich dieses "Sprechen mit dem ganzen Körper" oft unbewusst an … und eigentlich ist das beste Griechisch erst dann wirklich authentisch.
Natürlich zappelt man nicht einfach beim Reden in der Gegend herum, sondern fast alle Bewegungen haben einen tieferen Sinn, den der (griechische) Gegenüber auch (er)kennt.
Manchmal ersetzen diese Bewegungen sogar das gesprochene Wort (siehe unten).

Ja/Nein-Missverständnisse
Haben Sie das vielleicht auch schon mal erlebt, dass Sie einen Griechen im Supermarkt fragten, ob irgendeine  bestimmter Artikel vorrätig sei … und seine Antwort bestand nur aus einem kurzen Hochziehen beider Augenbrauen? Seine Antwort war ein freundliches "Nein" … denn dieses Hochziehen ist die schwächste mimische oder pantomimische Form dazu.

Diese lässt sich locker steigern: Legt er dabei den Kopf in den Nacken (es sieht aus wie ein "Nach-oben-Nicken") und schnalzt vielleicht zusätzlich noch kurz mit der Zunge, so ist das "Nein" schon um einiges stärker, begleitet er aber diese ganze Prozedur noch mit dem Hochwerfen beider Arme, so bekommt sein "Nein" schon die Qualität von "Ausgeschlossen"!

Daraus könnte man lernen, dass der Reisende sein auf Griechisch mühsam gelerntes und jetzt stolz angewendetes "ναι" (ne = ja!) besser nicht durch ein Nicken bekräftigen sollte, denn auch zum "Nach-unten-Nicken" hebt man in der Regel erst mal ein Stückchen den Kopf … und ich selbst ertappe mich dabei, dass ich auch beim "deutschen" Nicken ein wenig die Augenbrauen hochziehe … was soll der Grieche eigentlich von so etwas halten: Gesprochenes Ja, mimisches Nein … ja, wat denn nu? Diese bekloppten Touristen wissen auch nicht, was sie wollen.

Denn ein  "Ja" begleitet der Grieche in der Regel durch eine horizontale halbe Kopfbewegung … und das kann der Tourist wiederum als mitteleuropäisches Kopfschütteln deuten – anders herum ist das Missverständnis ebenso möglich!
Und schüttelt ein Grieche mehrmals den Kopf, heißt das eben nicht "nein", sondern "Ich habe nicht verstanden, sag das noch mal".

Das "Komm her"-Missverständnis

Ich bekam es einmal erzählt: Da hielt ein junges Touristenpärchen an einer Traubenplantage an, um zu fragen, ob ein paar Weintrauben käuflich zu erwerben waren. Mehrere einheimische Frauen, die dort bei der Ernte waren, winkten ihnen freundlich zu, näher zu kommen. Daraufhin sagte der junge Mann zu seiner Begleiterin: "Komm, wir fahren weiter, die wollen uns hier nicht!"
Was war passiert? Die griechische Geste, jemanden heranzuwinken, sieht nicht so aus, wie das dem Mitteleuropäer  vertraut ist: die Griechen winken nämlich nicht mit der Handfläche auf sich zu, sondern nach unten (mit dem Handrücken nach oben), was bei nicht genauem Hinsehen wie ein geringschätziges Abwinken aussieht.
Schade, sie hätten die Trauben sicher geschenkt bekommen.

Rein nonverbale Kommunikation
Treffen sich zwei Griechen auf einer stark befahrenen vierspurigen Straße. Treffen heißt hier, sie befanden sich auf der jeweils gegenüberliegenden Straßenseite – ein verbales Gespräch war nicht möglich. Und doch kam ein Gespräch zustande: Der eine hielt eine Hand mit gekrümmten Fingern vor den Körper und drehte sie ein bis zwei Mal (die Handhaltung gleicht also der beim Aufschrauben eines Marmeladenglases), der andere bewegte wiederum seine Hand mit geschlossenen und gerade ausgestreckten Fingern mit der Handfläche nach unten einmal horizontal von links nach rechts vor seinem Körper. Zum Glück kam gerade kein LKW vorbei und so sahen sie beide des anderen Geste. Und das Gespräch?
Ganz einfach: "Wie geht's?" – "Gut!"
Diese "Marmeladenglasaufschraub-Handbewegung" auch als Antwort im eben beschriebenen Dialog hieße dann in etwa "Na ja, geht so…"
Diese Handbewegung begleitet übrigens auch fast jede verbale Frage, ist also so eine Art mimisches Fragezeichen.

Vorsicht vor versehentlichen Beleidigungen (vor absichtlichen sowieso)

Zeigt ein Grieche einem anderen die geöffnete Handfläche (Steigerung: Er spreizt dabei weit die Finger – weitere Steigerung: Er wirft dabei die Hand mehr oder heftiger dem Gegenüber entgegen), dann sollte man das auf keinen Fall nachahmen oder sich angewöhnen. Dies ist nämlich eine schwere Beleidigung, vergleichbar mit dem sog. "Stinkefinger". Sinngemäß heißt diese Handbewegung "σκατά στα μούτρα σου" (skatá sta moútra sou – friss Sch….). Wenn man also in einem Lokal 5 Rakí bestellen möchte, sollte man unbedingt bei der Anzeige der Menge dem Wirt/Kellner den Handrücken (!) zuwenden!!! Auch wenn die Kreter sich an die Unkenntnis der Touristen inzwischen schon ein wenig gewöhnt haben und nicht immer jeden Fehler so ganz ernst nehmen.

Hunger, Essen und Trinken
Hat ein Grieche Hunger, kann er dies mimisch darstellen, indem er sich mit der flachen Hand (der Handkante in sägeartigen Bewegungen über den Magen fährt. Wenn er großen Hunger hat, schaut er dabei auch noch leidend.
Um anzuzeigen, dass er etwas essen möchte, legt er die Kuppen von Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand zusammen und zeigt damit auf seinen Mund. Für das Trinken  ballt er die Hand zur Faust und zeigt mit dem weit abgespreizten Daumen auf seinen Mund.
Mit diesen Bewegungen könnte er aber auch fragen, ob sein Gegenüber etwas essen oder trinken möchte … in der Regel zeigt er dann mit der anderen Hand auf ihn.

Verschiedenes

  • Wenn ein Grieche an den Fingern abzählt, streckt er die Finger nicht nacheinander aus, sondern krümmt sie nacheinander ein.
  • Berührt er bei leicht geöffnetem Mund mit dem Zeigefinger seine Unterlippe, zeigt er damit an, dass er sich mit jemandem unterhalten will (oder auch: "Ich muss dringend mal mit dir reden!").
  • Fordert er jemand auf, sich zu ihm zu setzen, bewegt er die offene Hand mit der Handfläche nach unten.
  • Will er andeuten, dass etwas sehr lange zurück liegt, hebt den Kopf, schließt die Augen und bewegt, die Hand, als werfe er etwas über die Schulter.

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Falls sich jemand mit diesem Thema auf sehr humorige Weise beschäftigen möchte, hier findet er ein passendes Büchlein (150 Seiten) dafür:

Papás, Instant Greek
How to communicate in Greek as quickly as you can twist your wrist!












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