Familienferien in der Argolís/Peloponnes 1987

Im Jahre 1986 hatten wir eigentlich nicht genug Geld für einen ausgedehnten Familienurlaub auf Kreta, denn inzwischen flogen die Kinder (knapp 5 und knapp 3 Jahre) ja nicht mehr umsonst …
Da kam es uns recht gut zupass, dass gute Freunde von uns aus Köln ein großes Ferienhaus in Doroúfi im Südosten der Argolís direkt am Meer besaßen. Da in der fraglichen Zeit weder sie selbst noch ihre Athener Verwandtschaft dort Urlaub machen wollten, luden sie uns ein, vier Wochen dort zu verbringen. Mietfrei versteht sich, nur für das Nachfüllen des Trinkwassertanks mussten wir aufkommen. Doroúfi ist eigentlich kein Dorf, sondern besteht nur aus einigen Ferienhäusern und dem Haus eines Bauern, dem ein Großteil der Gegend dort gehört. Und diese Häuser sind zwar ans Stromnetz, nicht aber an öffentliche Wasserleitungen angeschlossen. So kam hier dann und wann ein Tankwagen und pumpte die Wasserreservoirs wieder voll, gegen Gebühr natürlich, aber es war sehr erschwinglich (obwohl wir auch schon wegen der Kinder nicht übermäßig sparsam mit dem Wasser umgingen, musste der Tank auch während unseres Aufenthalts nur drei Mal gefüllt werden).

Doch fangen wir von vorne an: Wir hatten recht günstige Flüge nach Athen gefunden und sicherheitshalber für die erste Woche schon telefonisch einen Mietwagen bestellt. Nach einer Woche wollte ich diesen zurück nach Athen zum Flughafen bringen, da für die restliche Zeit mein eigener Wagen zur Verfügung stehen würde, mit dem wieder andere Freunde von uns über Jugoslawien nach Griechenland bringen wollten, um die restlichen Wochen mit uns zu verbringen (und dann den Wagen wieder nach Hause zu transportieren). Das war natürlich für uns eine wunderbare Regelung.

Am Athener Flughafen übernahmen wir also den Wagen, einen kleinen weißen Fiat, und beeilten uns, die Stadt zu verlassen, denn es war bereits am Vormittag elend heiß. In diesem Jahr gab es übrigens mehrere Hitzetote in Athen!

Zuerst einmal fand ich zwar den Weg in die Stadt hinein problemlos, aber dann nicht auf Anhieb die richtige Straße Richtung Korinth. Irgendwo war ich falsch abgebogen, sodass wir statt auf der Schnellstraße auf der riesigen Mülldeponie von Athen landeten. Mit angehaltenem Atem suchten wir dort schnell das Weite, was wir dann auch ebenso wie die richtige Straße fanden.
Der Verkehr war recht dicht und ziemlich chaotisch, aber das war ja nicht wirklich neu für mich. Und so erreichten wir in passabler Zeit den Kanal von Korinth.

Hier gab es dann ein doppeltes Pflichtprogramm: Erst einmal zu Fuß auf die Brücke über den Kanal und von oben die Schiffe bewundern, die sich tief unten durch den engen Graben schoben. Und zweitens (etwa ebenso wichtig) unsere erste Mahlzeit in Griechenland in diesem Jahr und was konnte das anderes sein, als die sagenumwobenen Souvláki direkt an der Brücke – sie waren auch damals schon so gut.
Die erste Familienportion von sechzehn Spießchen holte ich selber, dann aber verlangte unser älterer Sohn mehr. Nun, man gönnte sich ja sonst nichts und ich wollte gleich mal testen, was er sich denn im fremden Land so zutraute. Also drückte ich ihm einen nicht zu großen Schein in die Hand und schlug ihm vor, diese Souvlákia selbst am Grill abzuholen (wie viele Finger vier sind, das wusste er natürlich längst). Da konnte nichts passieren, denn wir hatten alles im Blick (darüber hinaus waren und sind wir zwar verantwortungsbewusste Eltern, aber niemals überängstlich und wir waren ja in Griechenland).

Mutig marschierte er zur Grilltheke, von der sich gerade ein älterer Mann abwandte, mehrere soeben erstandene Spießchen in der Hand. Da streckte ihm Julian den Geldschein entgegen, wobei er laut und deutlich "Souvláki, Souvláki" krähte.
Der Herr lächelte freundlich, nahm ihn den Schein ab und ging mit ihm zurück zum Grill, wo die beiden dann gemeinsam das Gewünschte erstanden. Es war nicht das erste Mal, dass wir erlebten, wie nett Griechen auf Kinder reagieren…
Stolz wie Oskar kehrte Julian mit den Spießchen an unseren Tisch und ich bemerkte fast gerührt, dass der ältere Herr seinen Weg aufmerksam "überwachte", bis er wieder unseren Tisch erreicht hatte.
Wir winkten dem Herrn dankend zu und er winkte natürlich zurück.

Nachdem wir nun ausreichend gestärkt waren, fuhren wir über die Brücke und bogen wenig später von der Schnellstraße ab, um nun über Epídavros und Koróni nach Süden zu fahren.
Wer es noch nicht wusste: Wenn man sich die Peloponnes als dreifingrige Hand vorstellt, ist die Argolís der Daumen ganz im Osten.
Doroúfi und das nächste "richtige" Dorf Kiláda liegen dort ganz unten an der Westküste am Argolischen Golf.
Die Fahrt durch die Berge war landschaftlich ausgesprochen reizvoll, denn die Peloponnes ist ja auch heute noch an vielen Stellen von Wald bedeckt.
Am Nachmittag erreichten wir Kiláda, wo wir die wichtigsten Lebensmittel kauften. Größere Einkäufe tätigten wir später nur noch im landeinwärts gelegenen Städtchen Kranídi, wo es preiswertere und besser sortierte Supermärkte gab.

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