Zákynthos 2000 - Back to the roots

Wir waren nun viele Jahre mit den beiden Jungs nach Holland, Kreta und Capri gefahren, aber nun waren sie fast 18 und 16 Jahre alt und wollten ihrer eigenen Wege gehen. Ich erwähnte ja anderswo schon, dass sie diese Wege ganz unabhängig von uns bis heute auch öfter nach Kreta geführt haben.

In diesem Jahr hatten wir Lust, mal etwas ganz anderes zu machen. Aber was? Irgendwann kamen wir auf die Idee, wir seien ja noch nie auf einer Ionischen Insel gewesen, und irgendwie kamen wir dann auf Zákynthos. Warum eigentlich nicht? Wir kauften uns das Gegenstück zum Fohrer für Zákynthos und schmökerten eifrig darin herum. Wir erfuhren, dass einige Teile der Insel sehr touristisch seien, aber dann stießen wir auf die Beschreibung eines Fleckchens im äußersten Südwesten, dass so nett beschrieben war, dass es uns einfach reizte, es mal auszuprobieren: Apeláti, der Name einer Gegend und eine Lokals mit Zimmervermietung in „freier Wildbahn“ zwischen Laganás und Kerí. Ruhe und Abgeschiedenheit waren sozusagen garantiert, wenn man der Beschreibung glauben durfte (by the way, sie traf absolut zu!).

Also riefen wir – eigentlich entgegen unserer sonstigen Gewohnheit – dort an und reservierten auf Verdacht ein Zimmer. So würden wir gleich eine Anlaufstelle haben und später konnte man ja weitersehen.

Des Weiteren machten Yvonne und ich ab, dass wir uns in diesem Urlaub nicht gegenseitig zu irgendwelchen Aktionen zwingen oder überreden würden, wir wollten einen friedlichen und ruhigen Erholungsurlaub haben. Jeder sollte das tun, was er am liebsten tun wollte… und wenn der/die andere mitmachen wollte, gut – wenn nicht, auch gut. Um es voraus zu schicken, wir hielten die Abmachung ein und es klappte wunderbar.
Ich muss dazu erwähnen, dass unser beider Urlaubswünsche nicht immer kompatibel waren und immer noch sind: Yvonne liebt lange Strandaufenthalte, ich nicht. Yvonne liebt ausgedehnte Wanderungen, ich nicht mehr. Ich liebe lange Gespräche mit Einheimischen, Ausflüge mit dem Auto etc., das findet Yvonne zwar nicht langweilig, aber es reichte ihr nicht.
Zudem aber hatten wir in diesem Jahr auch nicht vor, ein Auto zu mieten, sondern wollten noch einmal als richtige Rucksacktouristen unterwegs sein.
Da das Flugticket ab Düsseldorf auch den Bahntransfer dorthin einschloss, begannen wir unseren Urlaub sehr früh morgens (um halb eins)  am Kölner Hauptbahnhof. Ein Kaffee durfte es sein und dann fuhren wir auch schon ab. 

Der Düsseldorfer Flughafen war in diesem Jahr eine ziemlich chaotische Baustelle. Zum Beispiel war der Warteraum in einem großen Zelt untergebracht. Aber ich erinnere mich an eine lustige Begebenheit in der Warteschlange der Gepäckabfertigung. Wir unterhielten uns und plötzlich drehte sich das vor uns stehende Pärchen um und die Frau sprach mich an: „Entschuldigen Sie, sind Sie nicht der Klaus Eckhardt vom WDR?“
Ich hatte in diesen Jahren sehr regelmäßig Rundfunksendungen mit griechischer Musik moderiert, deshalb bejahte ich etwas zögerlich.
„Wenn Sie den mit der griechischen Musik meinen, ja, der bin ich.“ Es gab nämlich noch einen anderen Sprecher beim WDR, mit dem ich mehrfach verwechselt wurde.
„Sie werden es nicht glauben, aber ich habe Sie an der Stimme erkannt!“
„Na, dann sehen wir uns gleich drinnen und trinken einen Kaffee miteinander.“
So geschah es auch, bis unser Flug aufgerufen wurde.

Der Blick auf Albanien bewies uns, dass man in diesem Land tatsächlich eher wenig meerorientiert war. Die meisten Orte lagen eher im Landesinneren. In Griechenland sah es dann anders aus. Der Landeanflug gestaltete sich mindestens ebenso spannend wie auf Kreta. Nur findet er optisch noch viel flacher statt als dort, denn der Flughafen von Zákynthos liegt nur knapp über Meereshöhe. Ich hatte zeitweilig das Gefühl, es müsse wohl an der Strandstraße eine Ampel geben, damit das Fahrwerk des Flugzeugs nicht die Autos streifte.

Die Abwicklung am Flughafen verlief flott, hier war längst nicht so viel los wie auf Kreta. Wir fanden auch ohne Mühe ein Taxi, der Fahrer schien erfreut, dass er nicht nur nach Zákynthos-Stadt hinein fahren sollte. Sicherheitshalber verwickelte ich ihn gleich in ein griechisches Gespräch, er sollte schließlich nicht glauben, dass er Greenhorns im Auto hatte. Er war sehr angetan und die Fahrt verging wie im Flug. Schon gegen 11 Uhr kamen wir in Apeláti an. Ich zahlte 2.700 Drachmen und fand das in Ordnung (es wurde mir wenig später als der absolut korrekte Preis bestätigt).
Man hatte uns schon erwartet und wir lernten als erstes die Familie kennen: Die Wirtin Denia Liveri, ihren Mann Dionysios, die Kinder Maria und Kostas und die rüstige Oma Maria (alle Namen bis auf Denia ohne Gewähr).

Wir wurden sofort warm miteinander, denn einerseits freuten sie sich über unsere Griechischkenntnisse, anderseits wir uns über den freundlichen Empfang. Und drittens entdeckte ich fast sofort im Inneren des Lokals eine an der Wand hängende Gitarre. Ich bat sofort, sie ausprobieren zu dürfen. Und ich durfte (sie war erstaunlich gut), das Erstaunen und die Bewunderung, dass ein Deutscher griechische Lieder spielte und sang, war mir sicher.
Dann aßen wir gemeinsam zu Mittag, nicht zum letzten Mal. Denias Mutter hatte ein paar Leckereien im Topf. Der Oktopus in Weinsauce kam laut Yvonnes Meinung zwar aus der Dose, aber er schmeckte lecker. Auch das Gemüse, eine Mischung aus grünen Bohnen und Zucchini in Tomatensauce. Beides habe ich später dort noch oft bestellt.

Nach dem Essen und einem weiteren Mythos verzogen sich Yvonne und ich auf unser gemütliches Zimmer im ersten Stock. Erst räumten wir unsere Klamotten aus, dann legten wir uns eine Weile hin, um den versäumten Schlaf nachzuholen.

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