Warum ich hier über eine Fahrt nach Sardinien berichten will, ist schnell erklärt. Es ist nicht Kreta, aber erst viele Jahre nach diesem Aufenthalt auf Sardinien wurde mir bewusst, wie viele Erlebnisse dort fast genau so auf Kreta hätten gewesen sein können. Die Sarden sind eben auch ein sehr eigenes Völkchen, stolz, eigensinnig und gastfreundlich bis zum Erstaunen. Bitte nicht zu vergessen, das Ganze liegt 40 Jahre zurück.
Es war also 1970, als wir zu dritt mit dem Auto gen Süden aufbrachen. Mit meinen beiden Begleitern fuhr ich übrigens nur einige Jahre später auch nach Kreta.
Wir hatten in einem kleinem Fiat 850 Coupe außer drei Personen auch deren Gepäck (also drei Rucksäcke, denn wir wollten das Auto nicht mit auf die Insel nehmen) und zwei Gitarren dabei. Nachträglich wundere ich mich, wie und wo wir das alles untergebracht haben.
Ich fuhr (obwohl es Jorgos Auto war) über die Alpen und dann quer durch die Po-Ebene auf Landstraßen nach Genua, wobei ich mich eigentlich nur noch an ein kleines vergnügliches Wettrennen mitten in der Nacht mit einem Alfa erinnere, das ich natürlich im Endeffekt verlor (obwohl der Fiat auch keine lahme Ente war).
Am Vormittag erreichten wir Genua, von wo aus wir nach Sardinien übersetzen wollten. Ich fuhr das erste Mal durch eine verkehrstechnisch belebte italienische Großstadt und war schon etwas beeindruckt. Wir fanden ohne Probleme zum Hafen, aber dann? Ich hatte vorher wenigstens sinngemäß einen italienischen Satz auswendig gelernt: "Dove parte il tragetto a Porto Torres?" (Von wo fährt die Fähre nach Porto Torres ab?). Ob das so ganz korrekt war, wusste ich nicht, aber man verstand mich und wir fanden die richtige Mole und das Ticketbüro. Ebenso fanden wir eine Möglichkeit, das Auto bezahlt und bewacht (?) für die Dauer unseres Aufenthaltes abzustellen.
Nachdem wir uns noch ein bisschen im Hafen umgeschaut hatten, bestiegen wir gegen 5 Uhr die Fähre, suchten uns einen Schlafplatz an Deck und bewunderten danach die Verladeaktionen der PKW, die mit dem Kran aufs Deck gehievt wurden. Jorgo meinte, er sei froh, dass wir unser Auto zurückgelassen hätten. So schlimm sah das aber gar nicht aus, etwas abenteuerlich und ungewohnt vielleicht, aber kein Auto kam zu Schaden.
Gegen 8 Uhr legte die Fähre ab und fuhr in die anbrechende Nacht hinein, wir saßen an Deck, aßen ein paar Stullen, tranken ein paar Gläschen Rotwein und rollten uns dann in die Schlafsäcke. Ich fand es ausgesprochen spannend, Genua hinter uns verschwinden zu sehen, um am nächsten Morgen vor einer Insel zu erwachen. Dieses Erleben war noch vollkommen neu für mich und hätte mir in diesem Moment jemand gesagt, dass ich dieses Erlebnis in den nächsten etwa 20 Jahren regelmäßig haben würde, nur dass Abfahrtshafen und Zielinsel dann immer Piräus und Kreta heißen würden… ich hätte ihn ausgelacht. Nicht zwei Mal an den gleichen Ort war damals meine Devise. Was daraus geworden ist, ist wohl allgemein bekannt.